
17. März 2025, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Wind bei den Zinsen hat gedreht
Der Franken-Swapzins für 10-jährige Anlagen lag Anfang Dezember bei 0.27% und kannte nur den Weg nach unten. Drei Monate später ist er auf 0.85% gestiegen. Damit ist er so hoch wie zuletzt im letzten Sommer, als der Leitzins der SNB noch bei 1.25% stand.
Im Fokus
Es ist noch nicht lange her, da mussten wir an dieser Stelle darlegen, warum wir die Markterwartungen von Negativzinsen nicht teilen. Heute bringen wir unsere Argumente vor, warum der Anstieg bei den Schweizer Zinsen aus unserer Sicht übertrieben ist. So schnell können sich in Zeiten von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen die Markterwartungen ändern. Der Franken-Swapzins für 10-jährige Anlagen lag Anfang Dezember bei 0.27% und kannte nur den Weg nach unten. Drei Monate später ist er auf 0.85% gestiegen. Damit ist er so hoch wie zuletzt im letzten Sommer, als der Leitzins der SNB noch bei 1.25% stand. Nachdem verschiedene Analysten vor kurzem noch von einem weiteren Zinsschritt der SNB im März von 0.50% auf 0.00% sprachen, sind sie nicht mehr überzeugt, dass die SNB am Donnerstag überhaupt den Leitzins senken wird. Dabei müsste eine drohende Rezession in den USA ein starkes Argument für tiefere Zinsen sein, auch in der Schweiz. Dennoch gehen die Erwartungen für die SNB nun davon aus, dass im nächsten Jahr der Leitzins schon wieder angehoben wird.
Europäische Schuldenorgie schwappt über die Grenze
Getrieben werden die höheren Zinsen in der Schweiz durch den Anstieg der Zinsen in Deutschland und in den anderen Euroländern. Die neue deutsche Regierung von Friedrich Merz will für die Rüstung und die Erneuerung der Infrastruktur Hunderte von Milliarden Euro zusätzliche Schulden aufnehmen. Die EU-Präsidentin Ursula von der Leyen spricht davon, 800 Mrd. Euro für die Aufrüstung Europas auszugeben, obschon sie das Geld dafür nicht hat. Es soll über die Ausgabe von Obligationen aufgenommen werden. Ob sich für all diese neuen Obligationen genügend Investoren finden werden, ist nicht sicher. Daher macht es Sinn, dass die Renditen der europäischen Anleihen steigen. Dass die Finanzverwaltung in Bern ähnliche Emissionspläne für Eidgenossen-Anleihen hat, wäre uns aber nicht bekannt. Als Argument für das Nachziehen der Schweizer Zinsen kann ein fiskalpolitisch ausgelöster Konjunkturaufschwung in Deutschland dienen, wovon auch die Schweizer Exportindustrie profitieren würde. Das wäre für unsere Wirtschaft positiv, würde aber kaum eine Hochkonjunktur und einen Inflationsschub auslösen, auf den die SNB mit höheren Zinsen reagieren muss. Eine Belastung der Schweizer Wirtschaft durch die Vorgänge in Washington ist deutlich wahrscheinlicher.
SNB muss verlässlich bleiben
Wir gehen davon aus, dass die SNB am Donnerstag den Leitzins noch einmal um 0.25% senkt und damit den Senkungszyklus beendet. Es gibt wirtschaftliche Argumente für ein Stillhalten. Der Franken ist in den letzten Monaten schwächer geworden, zuerst gegenüber dem US-Dollar und dann auch gegenüber dem Euro. Das ist jedoch eine Momentaufnahme, die sich schnell wieder ändern kann. Die Konjunktur in der Schweiz braucht keine Zinssenkung. Mit Ausnahme der Exportindustrie nach Deutschland geht es den Unternehmen gut, die Leute geben ihre höheren Einkommen in Form von Konsum aus. Die gleiche Ausgangslage gab es aber auch im Dezember, als die SNB den Leitzins um starke 0.50% senkte und weitere Zinssenkungen in Aussicht stellte. Ihr Argument war damals die tiefe Inflationsrate und die Gefahr, dass die Preise in der Schweiz gar sinken werden. Die Inflationssituation hat sich seither nicht verändert und spricht für eine weitere Zinssenkung. Die SNB hat im letzten Jahr gezeigt, dass sie bereit ist, die Finanzmärkte im Stil von Alan Greenspan zu überraschen. Eine gute Geldpolitik lebt aber auch davon, dass die Entscheide der SNB nachvollziehbar und konsistent sind.
Steile Zinskurve
Die Zinskurve bei den Schweizer Zinsen ist momentan so steil, wie zuletzt 2021, als die Inflation stark gestiegen ist und Zinserhöhungen der SNB nur eine Frage der Zeit waren. Davon sind wir momentan weit entfernt. Dass der Anstieg der langen Zinsen im gleichen Stil wie zuletzt weitergeht, ist daher unwahrscheinlich.
Audio-Podcast der SGKB
Donald Trump will das Wirtschaftswachstum auf 3 Prozent steigern, das Budgetdefizit auf 3% senken und täglich 3 Millionen Barrel mehr Öl fördern. Dass das zwar gut tönt, aber auch Zielkonflikte birgt, ist das Thema des Gesprächs zwischen unserem Leiter Anlageprozess und Analyse Dominik Schmidlin und unserer Konjunkturexpertin Céline Koster im Audio-Podcast.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: +1.65%, S&P500: +2.13%, Nasdaq: +2.61%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +1.42%, DAX: +1.86%, SMI: +0.63%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: +1.21%, HangSeng: +1.09%, S&P/ASX 200: +0.83%
Die Unsicherheit an den Aktienmärkten hält an. Die Anlegerinnen und Anleger wissen nicht, wie sie mit den erratischen Aussagen von Donald Trump zu Strafzöllen umgehen sollen. Starke Stimmungswechsel und starke Kursschwankungen sind die Folge. Der S&P 500 verlor letzte Woche 2.27%. Die europäischen Aktien sanken 1.17%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 0.85% abschloss.
Nach einem starken Jahresauftakt hat die Dynamik an den Aktienmärkten nachgelassen. Da sich die Inflation in den USA hartnäckig auf einem hohen Niveau hält, wird die US-Notenbank ihren Zinssenkungszyklus vorerst pausieren. Die Unterstützung für die Aktienmärkte von der Zinsseite lässt folglich nach. Zusätzlich sorgen wirtschaftspolitische Entscheidungen der US-Regierung immer wieder für Unsicherheit und erhöhte Kursschwankungen. Sich aus den Aktien zu verabschieden, ist nicht angebracht. Jedoch mehren sich die Anzeichen für eine gewisse Vorsicht.
Kapitalmärkte
Renditen 10 J: USA: 4.308%; DE: 2.876%; CH: 0.801%
Die Renditen bei den Schweizer Obligationen sind so stark gestiegen wie schon lange nicht mehr. Der Zinsanstieg in Deutschland als Folge der Schuldenpläne der neuen Regierung sind über die Grenze geschwappt. Das hat dazu geführt, dass die Erwartungen an die Zinsen der SNB nach oben korrigiert wurden. Negativzinsen sind kein Thema mehr.
Währungen
US-Dollar in Franken: 0.8844
Euro in US-Dollar: 1.0879
Euro in Franken: 0.9621
Die Devisenkurse werden aktuell durch die politischen Entscheide in den USA und in der Eurozone getrieben. Steigen die geplanten Zölle von Donald Trump, verliert der US-Dollar. Werden sie abgeblasen, steigt er wieder. Das gleiche Bild zeigt sich beim Euro, je nach dem, was gerade zum geplanten Infrastruktur-Programm in Deutschland Schlagzeilen macht.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 67.76 pro Fass
Goldpreis: USD 2'985.12 pro Unze
Der Goldpreis erklimmt neue Höchststände und hat erstmals die Marke von3’000 US-Dollar pro Unze überschritten. Wie die Schwankungen an den Finanzmärkten dem Gold nützen und was das für das gelbe Metall bedeutet, führen wir in unserem neuen Marktbericht auf. Dieser kann unter Marktvolatilität nützt Gold bezogen werden.
Wirtschaft
USA: University of Michigan Konsumentenvertrauen (März)
letztes: 64.7; erwartet: 63.0; aktuell: 57.9
Die Stimmung bei den amerikanischen Konsumenten ist auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die Angst vor steigenden Preisen geht um. Für das nächste Jahr befürchten die Befragten, dass die Preise aufgrund der Strafzölle um fast 5% steigen werden. Die eigene finanzielle Situation wird deutlich schlechter eingestuft als noch im Januar. Anzumerken ist, dass die den Republikanern zugeneigten Konsumenten diese Befürchtungen nicht teilen. Ihre Stimmung ist bei 83.9 Punkten anhaltend gut.
Thomas Stucki

8021 Zürich

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