01. April 2025, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Talfahrt vor Ankündigung neuer US-Zölle

Die bevorstehende Ankündigung neuer Importzölle durch den US-Präsidenten am morgigen Mittwoch liess die Aktienmärkte gestern zittern.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.89%, SPI: -1.73%, SMIM: -1.45%

Der Schweizer Aktienmarkt startete schwach in die neue Handelswoche und verlor im Laufe des Tages immer mehr an Wert. Der Leitindex SMI schloss schlussendlich 1.9% tiefer. Etwas geringer fiel der Verlust beim SMIM (-1.5%), der die 30 grössten mittelkapitalisierten Schweizer Unternehmen umfasst, aus. Die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen des von den USA gestarteten Handelskriegs belastete die Aktienmärkte. Morgen Mittwoch will US-Präsident Donald Trump ein breit angelegtes Zollpaket vorstellen. Allerdings kann zum jetzigen Zeitpunkt nur darüber spekuliert werden, welche Zölle am sogenannten «Tag der Befreiung in Amerika» effektiv durch den US-Präsidenten angekündigt werden, was die Märkte zusätzlich verunsichert. Hinzu kamen die anhaltenden geopolitischen Spannungen, die weiterhin für Sorgenfalten sorgen. Alle 20 SMI-Titel notierten bei Handelsschluss in der Verlustzone. Die grössten Abgaben musste der PC-Hardwarehersteller Logitech (-4.4%) hinnehmen. Zusammen mit weiteren Technologiewerten wie Comet (-4.2%), Inficon (-2.9%) und VAT (-3.4%) litt Logitech unter den jüngsten Rückschlägen an der US-Techbörse Nasdaq. Ebenfalls unter Abgabedruck standen die Aktien von UBS (-3.8%). Neben dem allgemeinen Verkaufsdruck belastete die drohende Verschärfung der Bankenregulierung den Titel. Bei ABB (-3.7% oder CHF -1.74) ist der Kursrückgang teilweise auf den Dividendenabgang von CHF 0.90 je Aktie zurückzuführen. Aber auch weitere konjunktursensitive Aktien wie Partners Group (-3.5%) und Richemont (-3.4%) fielen deutlich zurück. Beim Luxusgüterkonzern belastete zudem eine Kurszielsenkung eines Brokers. An der Tabellenspitze notierte Swiss Life (-0.5%), die sich wie die weiteren Versicherungswerte Swiss Re und Zurich Insurance (je -1.0%) im Quervergleich noch gut gehalten hat. Auch bei Swisscom (-0.7%), Novartis (-0.8%) und Nestlé (-1.0%) hielten sich die Abgaben einigermassen in Grenzen. Das dritte Schwergewicht Roche (-2.1%) musste hingegen deutliche Verluste hinnehmen. Im breiten Markt konnte Schindler (+0.4%) gegen den Trend leicht zulegen und auch BKW (+0.1%) verzeichnete ein leichtes Plus. Die hohen Abgaben bei Leonteq (-10.0% oder CHF -1.94) und DKSH (-6.5% bzw. CHF -4.70) waren unter anderem auf die Dividendenzahlung von CHF 3.00 resp. CHF 2.35 je Aktie zurückzuführen.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.56%, DAX: -1.33%

Die europäischen Aktienmärkte setzten ihren Abwärtstrend vom vergangenen Freitag fort und verloren weiter an Wert. Die Sorge vor weiteren US-Importzöllen liess die Marktteilnehmer vorsichtig agieren und drückte die Aktienkurse in die Verlustzone. Unter den wichtigsten europäischen Indizes musste der italienische FTSE MIB (-1.8%) die grössten Abgaben hinnehmen, gefolgt vom Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 und dem französischen CAC40 (je -1.6%). Der britische FTSE 100 hielt sich mit einem Minus von 0.9% vergleichsweise gut. Auf Sektorenebene verloren mit Ausnahme der Energiebranche alle Sektoren an Wert. Zuoberst auf dem Verkaufszettel standen die Bereiche Technologie, Grundstoffe, Industrie und Zyklischer Konsum.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +1.00%, S&P 500: +0.55%, Nasdaq: -0.14%

Auch an den amerikanischen Aktienmärkten zeigten sich die Marktteilnehmer weiterhin verunsichert über eine Ausweitung des Zollkonflikts. Insbesondere bei den Technologiewerten schlug die Zurückhaltung nach wie vor negativ durch und liess den technologielastigen Nasdaq zeitweise um bis zu 2.7% einbrechen. Diesen Verlust holte der Index am Ende mit einem Minus von 0.1% nahezu komplett auf. Der Leitindex Dow Jones und der marktbreite S&P500 notierten bei Börsenstart klar in der Verlustzone, drehten im Handelsverlauf aber ins Plus und schlossen um 1.0% bzw. 0.6% höher. Vor allem defensive Basiskonsumgüterhersteller wie Walmart (+3.1%), Home Depot (+2.3%), Coca-Cola (+1.8%) oder McDonalds (+1.7%) sorgten für Rückenwind. Deutlich Federn lassen mussten gestern Aktien aus der Impfstoffbranche. Moderna verlor 8.9%, während Biontech 4.1% nachgab. Gemäss Medienberichten hat der Chef der Impfstoffabteilung der US-Gesundheitsbehörde den Rücktritt eingereicht. Dieser gilt als Befürworter von Impfungen. Aus Branchensicht notierte lediglich der Zyklische Konsum leicht in der Verlustzone. An der Tabellenspitze stand der Sektor Basiskonsum, gefolgt von Finanzen, Energie und Grundstoffe.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.19%; DE: 2.74%; CH: 0.51%

Die Rendite des 10-jährigen US-Treasury mäanderte gestern um die Marke von 4.2%. Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren sank im Tagesverlauf zunächst um 7 Basispunkte. Dann setzte jedoch eine Gegenbewegung ein und schlussendlich legte die Rendite um einen Basispunkt zu. Die Rendite der 10-jährigen Eidgenossenanleihe sank gestern hingegen um weitere 3 Basispunkte.

Währungen

Euro in Franken: 0.9544
US-Dollar in Franken: 0.8833
Euro in US-Dollar: 1.0806

An den Devisenmärkten war der US-Dollar zum Wochenstart gesucht und legte gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert zu. Der Schweizer Franken war hingegen weniger gefragt und gab sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem Euro im Tagesverlauf nach.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 71.68 pro Fass
Goldpreis: USD 3'131.89 pro Unze

Der Ölpreis der US-Sorte WTI stieg zum Wochenstart um 3.1% an. Rückenwind erhielt er von Donald Trumps Aussagen zu möglichen Sanktionen gegen die russische Ölindustrie. Zudem sorgte die Meldung, dass die iranische Revolutionsgarde im Persischen Golf zwei Öltanker festgesetzt hat am Nachmittag für einen weiteren Preisanstieg. Der Goldpreis wird weiterhin von der Unsicherheit aufgrund der US-Zollpolitik beflügelt und notiert aktuell rund 45 US-Dollar höher als am Freitag.

Wirtschaft und Konjunktur

China: Caixin Einkaufsmanagerindex Industrie (März)
letzter: 50.8; erwartet: 50.6; aktuell: 51.2

Die Stimmung in der chinesischen Industrie hat sich im März überraschend aufgehellt. Der Caixin Einkaufsmanagerindex, der sich auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen fokussiert, stieg auf 51.2 Punkte und legte damit bereits den vierten Monat in Folge zu. Am Montag zeigte bereits der Einkaufsmanagerindex des staatlichen Statistikamtes, der sich auf grosse und staatliche Unternehmen konzentriert, eine Aufhellung in der chinesischen Industrie. Mit 50.5 Punkten liegt auch dieser Index über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Céline Koster

Portraitfoto von Céline Koster,  bei der St.Galler Kantonalbank
Strategieanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Anja Felder

Portraitfoto von Anja Felder,  bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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